, Theater Allround

Das Gute, das Böse, die Unschuld - die Welt, in der wir leben

Abschied von Faust, Mephisto und Gretchen

Vorbei. Abgespielt. Diese wundervolle Erfahrung an diesem besonderen Ort ist Vergangenheit.

Und es klingt nach in uns, wir werden noch lange die Geschichte von Faust in uns tragen, die Erfahrungen, die wir mit dieser Arbeit erleben durften, verändern uns. Nicht groß und laut, sondern klein und leise, fast unmerklich und doch immer wieder präsent. Wir haben so viel mehr mitgenommen, als wir zu Beginn der Proben erwartet haben. Anfangs wollten wir maximal 10 % der alten Sprache nutzen, wir wollten Faust verständlich machen, nahbar und erfahrbar. Im Lauf der Probenarbeit haben wir uns so sehr mit dem Original-Text angefreundet, dass wir am Ende eher 10% nicht im Original waren. Und das, obwohl viele von uns Deutsch nicht als Muttersprache sprechen und niemand von uns mit dem alten Deutsch aus Goethes Zeiten vertraut war. Die Sprache und das Versmaß sind uns ans Herz gewachsen und haben etwas in uns aufgelöst. Selbst unsere eigenen Texte kamen ganz natürlich im Versmaß raus, auch der Rhythmus der Sprache hat sich an das Tempo von Goethe angepasst. 

Schade, dass wir diese Erfahrungen nicht mehr Menschen zugänglich machen können. Wir haben es versucht, waren vielleicht nicht präsent genug. Oder war Faust ein abschreckender Titel? Warum sind nur so wenige Menschen in unser Stück gekommen. Die Inszenierung hat berührt, die Menschen, die da waren, sind dankbar und angefüllt gegangen. Wir haben unser Ziel erreicht, Goethes Faust begreifbar zu machen und die Geschichte so zu transportieren, dass sie verstanden wird. Wir können glücklich und stolz sein, und doch schwingt auch Wehmut mit. Nicht nur, weil es vorbei ist, sondern auch, weil wir gern mehr Menschen damit erreicht hätten. Was müssen wir in Zukunft ändern, um ein größeres Publikum anzusprechen? Wen müssen wir ins Boot holen, wo müssen wir werben, was wollen wir tun, um das Theater zu füllen? 

In jedem Abschied steckt in neuer Anfang und in diesem die Chance, beim nächsten Mal mehr und größer zu denken. Wir dürfen uns vertrauen und unseren Wert kennen. Wir dürfen für uns werben, denn wer uns nicht kennt, kann ja auch nicht zu uns kommen... Die nächsten Spieltermine stehen schon bald fest und wir werden uns bemühen, noch mehr Menschen in den Kulturklinker zu holen. Das Leben ist dazu da, gelebt zu werden und wir schauen nach vorn, der Blick zurück in Dankbarkeit und die Kraft auf das Neue gerichtet.